HANSUELI STETTLER

 

Kunststoffe sind langlebig und haben in unserer Umwelt nichts verloren.

Seit Jahren wird die Verschmutzung der Meere und die Folgen auf die Tierwelt thematisiert, seit einiger Zeit auch die Verschmutzung unserer hiesigen Fliessgewässer. Rhone, Rhein und Donau wurden nun genauer analysiert. Bei der umfassenden Untersuchung der Donau wird die Menge und die Höhen-Lage der transportierten Kunststoffe deutlich: je näher an der Oberfläche, und je näher am Ufer, desto mehr Kunststoffe wurden angetroffen. Die Donau bei Hainburg transportiert somit jährlich zwischen 30´00und 40´000 Kg Kunststoffe in das Schwarze Meer.

Menschen - und Tiere - die sich von Fischen ernähren, bauen die Zersetzungprodukte, nämlich den Mikroplastic in den Körper ein...mit unbekannten Folgen.

Im St.Galler Tagblatt wurde im Frühling 2015 (Die Spuren unserer Plasticwelt, 17.3.15) vom Bodensee spekuliert, der See weise „einige Kilo an grösseren und kleineren Plasticteilchen“ auf. Die Realität sieht sicher völlig anders aus....

Nur schon nur schon am Uferabschnitt - von bescheidenen 50 m Breite - neben dem See-Standbad Arbon, den ich regelmässig absuche, sammle ich eine Menge von etwa 2 Kilogramm jedes Jahr ein. Umgelegt auf die gesamte Uferlänge von 270 km bedeutet dies, dass im See möglicherweise etwa 20x2x270 = 10‘800 kg Kunststoffe (Kleinteile wie Petflaschen und -Deckel, grössere Teile wie Folien und Styroporbrocken) aus Kanalisation, Gartenbau, Bauwirtschaft herumtreiben - und bei Gelegenheit und Winden aus östlichen Richtungen den Rhein hinunter ins Meer schwimmen.

Dabei sind die nicht schwimmfähigen Kunststoffe wie PET und PVC noch gar nicht erfasst, weil sie in den Mündungsgebieten der Bäche und Flüsse bei weniger intensiver Strömung absinken und mit den Jahren von Sedimenten zugedeckt werden.

Die nicht-schwimmenden Kunststoffe haben eine sehr grosse Verbreitung. Da sich Kunststoffe zum Teil erst nach hunderten von Jahren zersetzen, lagert und vergrössert sich hier die nächste Umweltzeitbombe - in unseren Gewässern, aus denen wir in der Ostschweiz sogar unser Trinkwasser beziehen.

Wenn Kleinsttiere - die wiederum Fischen als Beute dienen - und die Fische selber mit den zersetzen Kunststoff-Molekülen in ihrem Organismus kämpfen, haben sie kein gutes Leben.

Kunststoff angeschwemmt Arbon 2.6.13 019 11Kunststoff angeschwemmt Arbon Sortiment 2.6.13 019

Diese Zivilisationsabfälle stammen nur zu einem kleinen Teil aus den See-Randzonen, sehr viel wird durch die Entlastungen der Kanalisation bei Starkregen in die Bäche geschwemmt.

Hier ein Bild vom 25. September 2010, Lukasmühle St.Gallen.

Starkregen Steinach 25.9.2010 005

Die Steinach sieht dann in den folgenden Woche vielleicht so aus:

Entlastung Steinach Lukasmüli danach 18.8.08 005

Hier wird aber nur noch sichtbar, was hängengeblieben ist....

Zum Beispiel ein BH auf einer Höhe von 1.80 m über dem Normalwasserstand der Steinach:

Entlastung Steinach Lukasmüli danach 18.8.08 015

Um solche Kunststoffe aus einer gemeinsamen Sammlung zu trennen, sind hochspezifizierte und äusserst aufwendige Verfahren entwickelt worden.

Im GEO vom 23.11.13 wurde aufgezeigt, dass am Gardasee ähnlich viel Kunststoffe am Strand liegen wie am Mittelmeer...

Als Grundsatz muss daraus abgeleitet werden, dass keinerelei synthetisch hergestellten Produkte in die Naturkreisläufe gehören!

Und als weiterer Grundsatz sollten wir darauf achten, keine Synthetika in unserer Garderobe zu verwenden: bei den Gewässeruntersuchungen wurden nämlich Flusenartige Kleinstpartikel unter einer Grösse von <250μm noch gar nicht erfasst: das ist aber auch die Grösse, die von den Fischen direkt in ihren Organismus eingelagert werden kann - guten Appetit.

Eine erste Konferenz zu Mikroplastic in Binnegewässern hat nun am 21.6.16 in Berlin stattgefunden. Man möchte der Sache nun rasch auf den Grund gehen und die richtigen Massnahmen einleiten.

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to TwitterSubmit to LinkedIn